Die meisten Menschen, selbst diejenigen, die nicht unbedingt Sprach- oder Übersetzungsexperten sind, wissen, dass es Tausende von Sprachen auf der Welt gibt: Rund 7.000 Sprachen haben den Status als solche. Jedes Mal, wenn eine Sprache ausgelöscht wird, scheint die Menschheit etwas ärmer zu sein. Einige Sprachen werden „geboren“, indem sie zuerst als eigenständige Dialekte entstehen, sich dann zu regionalen Versionen entwickeln und schließlich zu völlig neuen, eigenständigen Sprachen werden. Die Kroaten und Serben sowie die Tschechen und Slowaken sind Beispiele für Menschen, die viele Jahrhunderte lang dieselbe Sprache geteilt haben, die jedoch aus politischen Gründen getrennt wurde und deren Dialekte sich so sehr unterschieden, dass aus ursprünglich dialektalen Variationen neue Sprachen entstanden sind. Dies ist ein wirklich erstaunlicher Prozess und einer der Hauptgründe, warum ich mich schon sehr früh in meinem Leben für das Erlernen von Sprachen interessiert habe.

Sicher haben Sie mittlerweile nachgerechnet: Es gibt 7000 Sprachen, aber nur 200 Länder in den Vereinten Nationen. Wo gehören diese ganzen Sprachen hin? Viele Menschen machen immer noch einen sehr häufigen Fehler, wenn sie davon ausgehen, dass jedes Land eine einzige Sprache oder eine „Hauptsprache“ hat. Die Franzosen sprechen Französisch, die Chinesen sprechen Chinesisch, etc.

Die natürliche Annahme ist immer, nach einer Gleichmäßigkeit zu suchen, aber die Zahlen stimmen einfach nicht überein. In einigen Ländern müssen schlichtweg mehr als eine oder sogar mehr als nur ein paar Sprachen gesprochen werden. Frankreich ist zum Beispiel das Land in Europa mit der höchsten Sprachenvielfalt, wobei Französisch, Katalanisch, Bretonisch, Gallo, Okzitanisch und Elsässisch offiziell anerkannt sind, während andere Regionalsprachen wie Baskisch und Niederländisch nicht anerkannt sind, ebenso wenig wie Französisch-Provenzalisch und Lothringisch-Fränkisch (ein deutscher Dialekt). Zur Zeit der Französischen Revolution sprachen weniger als 50% der Menschen „Französisch“ und das Beherrschen des Französischen wurde zu einem Zeichen der Moderne, der nationalen Identität und des Prestiges.

Heute werden wir uns jedoch mit dem Land mit der höchsten Sprachvielfalt beschäftigen: Papua-Neuguinea.

Der unbestrittene Sieger

Papua-Neuguinea liegt vor der Küste Australiens. Der westliche Teil der Insel Neuguinea gehört zu Indonesien, während der östliche Teil und andere Inseln im Osten wie Neubritannien, Neuirland, Manus Bougainville (autonome Region) und die kleine Inselgruppe Milne Bay im Süden den Staat Papua-Neuguinea bilden. Papua-Neuguinea ist etwa so groß wie Spanien oder Kalifornien in den USA. Dort leben knapp sieben Millionen Menschen, und was dieses Land abgesehen von seiner natürlichen Schönheit besonders interessant macht, ist die erstaunliche Anzahl von 820 Sprachen, die hier gesprochen werden. Ja, wirklich: Es sind 820. Im Durchschnitt ist das eine Sprache für je 8.563 Einwohner von Papua-Neuguinea – der Rekord für die höchste Sprachvielfalt der Welt.

Es gibt mehrere Gründe für diese unglaubliche sprachliche Vielfalt: Wie es in der Geschichte häufig vorkommt, spielt Isolation eine große Rolle dabei. Papua-Neuguinea verfügt über viele natürliche Abgrenzungen, was zu Barrieren geführt hat, die die Gemeinschaften voneinander trennen. Das Land ist zudem Teil der größeren Gemeinschaft der polynesischen Kulturen, die sich sehr weit und über die Ozeane ausgebreitet haben, was bedeutet, dass sich die Sprachen isoliert entwickelten, nachdem sie einer einheitlichen Quelle entsprungen waren. Da das Land für einige Zeit eine australische Kolonie war, bedeutete dies, dass eine indo-europäische Sprache wie Englisch eingeführt wurde und dass die Sprache als gemeinsame Sprache zwischen mehreren Gemeinschaften verwendet wurde, genau wie in Indien.

Drei von 820

In Papua-Neuguinea gibt es drei offizielle Sprachen: Englisch, Hiri Motu und Tok Pisin. Die beiden letztgenannten basieren zu einem gewissen Maße auf dem Englischen: Tok Pisin ist eine kreolische Sprache, die sich aus dem Englischen entwickelt hat und von nur 120.000 Menschen als Muttersprache gesprochen wird, aber von mehr als 50% der Bevölkerung in Papua-Neuguinea gut verstanden wird. Hiri Motu wird nicht oft als Erstsprache gesprochen, sondern von weiteren 120.000 Menschen als Zweitsprache verwendet. Es hat eher die Funktion einer Pidgin-Sprache, die auf dem Englischen basiert. Wenn Sie sich bei einem Besuch in diesem Land keine Sorgen um die Sprachübersetzung machen möchten, sollten Sie auf Tok Pisin setzen, bzw. Ihr Englisch so stark wie möglich vereinfachen.

Sie sollten natürlich besser nicht versuchen, alle 820 Sprachen zu lernen, wenn Sie das Land besuchen wollen! Wie es so oft in zahlreichen anderen Ländern geschieht ist steht bereits fest, dass dies Land mit seiner hohen Sprachvielfalt im Laufe der Zeit über immer weniger gesprochene Sprachen verfügen wird. In der Zwischenzeit sollten wir es jedoch für seine erstaunliche Vielfalt bewundern.



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